Ganz ab vom Hype, der (nicht nur aber besonders) von den Medien um das Thema gemacht wird gilt auch hier: Die Mischung machts.
Insgesamt sehe ich die gesamten neuen Kommunikationsmedien überaus positiv. Neulich wieder erlebt: Mit zehn Leuten auf einer Großveranstaltung unterwegs und irgendwie verliert man immer jemanden. Der eine kommt zu spät, der andere möchte zwischendurch mal was anderes machen und dennoch will man sich später wieder treffen. Früher ging da nur: Festen Zeitpunkt setzen, wer nicht da ist hat Pech gehabt und darf dann eben durch ganz Köln laufen und hoffen seine Leute wiederzufinden. Heute, Handy sei dank, überhaupt kein Problem mehr.
Natürlich geht es auch anders: Ein ehemaliger Kollege von mir konnte überhaupt nicht mehr von seinem Blackberry lassen und war gar nicht mehr fähig sich länger als zehn Minuten in einem Meeting zu konzentrieren ohne zu checken ob ihm jemand anders noch eine E-Mail geschrieben hat. Furchtbar.
Es läuft doch auf eine – eigentlich ganz einfache – Einsicht hinaus:
Nur weil ich die Möglichkeit habe immer und jederzeit erreichbar zu sein, und zehn Kanäle gleichzeitig zu überwachen, bedeutet das noch lange nicht, dass ich auch die Verpflichtung dazu habe genau das zu tun.
Ich nehme mir auch hin und wieder die Freiheit das Handy auszuschalten, nicht ans Telefon ranzugehen und Online-Nachrichten erst sehr viel später zu beantworten, als sie eingegangen sind. Warum? Weil ich schlicht und ergreifend in dem Moment keine Lust dazu habe. Vollkommen legitim aber die Verwunderung bei manch einem auf der anderen Seite, wenn man ihm genau diese Wahrheit präsentiert, ist schon witzig.
Und es ist sicherlich richtig, dass jemand, der sich schon beruflich mit dem Gerät Computer oder dem Medium Internet beschäftigt da noch einen anderen Blick auf die Dinge hat. Vielleicht liegt’s daran, dass man sich nicht in der Freizeit noch mit Dingen herumschlagen möchte, die man den ganzen Tag ohnehin schon hat. Vielleicht liegt es auch tatsächlich daran, dass man einen besseren und tieferen Blick in die Materie bekommt und besser lernt damit umzugehen.
Der Untergang des Abendlandes ist schon durch so manch eine Erfindung heraufbeschworen worden (die älteren unter uns werden sich noch daran erinnern, dass alleine das Ansehen einer fahrenden Einsenbahn massive psychologische Schäden hervorruft oder der Fernseher jede familiäre Zusammenkunft unmöglich macht) und irgendwie leben wir immer noch und sind doch – im großen und ganzen – noch ganz zufrieden.